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Veröffentlicht in der gedruckten Ausgabe der Badischen Zeitung vom 17. Januar 2011.
Von: Isabelle Konnegen

Zaubertheater zum Verrücktwerden

Die Magie von Christoph Borer an der Schnittstelle zwischen Geschichte und Theater sorgte in der "Alten Brauerei" für Furore.

Foto: Bernhard Rein
Die Zauberer und Hexen rund um Christoph Borer agieren zwischen Wahn und Wirklichkeit.
Foto: Bernhard Rein


ETTENHEIM. Mit ihrem Auftritt im KKW am Samstagabend haben die Zauberer rund um Christoph Borer ihren "Zaubermarathon" beendet. Bereits am Donnerstag und Freitag hatten die Magier mit ihrer erlebbaren Zauberei an der Schnittstelle zwischen Geschichte und Theater in der "Alten Brauerei" für Furore gesorgt. Jetzt sorgten sie mit ihrem Bühnenprogramm für einen furiosen Abschluss.

Wenn ein Zauberei-Bühnenprogramm den Titel "Irritation" trägt, darf man sich auf etwas gefasst machen. Ganz besonders dann, wenn die Akteure dem Publikum bereits teilweise aus einer anderen Illusionsshow bekannt sind. Viele Besucher im restlos überfüllten KKW hatten sich bereits eine der vorangegangenen Vorstellungen von "Ars Magica" angesehen und wollten das besondere Erlebnis nun zu einem gebührenden Abschluss bringen. Diesen Abschluss bot das Zauberpack auf verstörend-schöne Art und Weise.

Ihre Illusionen betteten die "Hexen und Zauberer" in eine Rahmenhandlung um die scheinbar psychisch gestörte Rose ein. "Ich habe so viele Geschichten in meinem Kopf. Und manchmal – da werden diese Geschichten wahr. Ich muss sie aufschreiben. Sie brauchen doch ein Zu-hause." Mit diesem verstörend wirren Monolog begann ein turbulenter Abend irgendwo an der Schnittstelle zwischen Wahn und Wirklichkeit. Bereits nach wenigen Minuten verlor man die Orientierung: War das jetzt eine von Roses Wahnvorstellungen oder die Wirklichkeit? Und wer ist hier überhaupt verrückt – Rose oder vielmehr ihre drei "durchgeknallten Psychiater"?

Alle Darsteller wechselten von Zeit zu Zeit ihre Verkleidungen und Charaktere wie in einer bizarren Form von Schizophrenie: Altmeister Christoph Borer gab neben seinem Status als leicht entrückter Therapeut einen Magier sowie einen besessenen Buchfreund. Franziska Flückiger agierte als gestrenge Psychologie-Koryphäe sowie als flippige Tänzerin und verführerische Sängerin. Nadia Schürmann verkörperte größtenteils die psychisch gestörte Rose, agierte jedoch auch als lustige russische Witwe mit einem gewissen Hang zum Giftmord. Lorenz Schär gab den Frischling im Psychiaterteam sowie einen sich selbst für unwiderstehlich haltenden Frauenhelden. Alle Personen verkörperten in ihren wechselnden Charakteren Roses scheinbar wahnhafte Geschichten so vielfältig und teilweise so wild durcheinander, dass man als Zuschauer gar nicht wusste, wo man zuerst hinsehen sollte. Die Magier zeigten Zigarettentricks, errieten vom Publikum ausgesuchte Wörter aus Büchern, präsentierten Würfeltricks und errieten Gegenstände, die ihnen das Publikum reichte. Alles wurde immer wieder unterbrochen von Stepptanzeinlagen, Gesang, Choreographien sowie wirren Kampf- und Cabaretnummern.

Zum Schluss verblüfften die Psychiater dann das Publikum vollkommen mit ihrem magischen Zahlenquadrat. Dabei handelte es sich um ein vier mal vier Kästchen messendes Quadrat, wobei in jedem Feld eine andere Zahl eingetragen wurde, die Rose scheinbar wahnhaft ansagte. Ein Zuschauer hatte zuvor die zu ermittelnde Summenzahl genannt: 78. Die von Rose in nur wenigen Sekunden ersponnenen Zahlen bildeten waagerecht, senkrecht, diagonal, in Viererquadraten sowie im Außen- und Innenkästchen die geforderte 78. Und die große Auflösung am Schluss verwirrte vollends, als dem magischen Zahlenquadrat Buchstaben zugeteilt wurden, die den Satz ergaben: "Es gibt keine Rose." Die drei Psychiater hatten selbst ihre Patientin Rose mit ihren multiplen Persönlichkeitsstörungen nur erfunden. Am Ende stimmte es also ganz im Sinne des Psychologen und Autoren Manfred Lütz: "Irre! Wir behandeln die Falschen!"


 
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